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Der kürzeste Fasching Europas?

Autor: Maren Krings 04.01.2018

Eine lärmende Gruppe anders gekleideter Personen, rennt kreuz und quer auf dem Dorfplatz von Vorderlanersbach umher. Alles was eindeutig erscheint, ist dass keiner der Gruppe weiss wohin es als nächstes gehen wird. Dieser bunte Haufen umfasst einige Personen in Tracht, eine in Lederhose gekleidet und einige nicht definitiv zuzuordnende Verkleidungen. Ihre Gesichter sind verborgen unter Gummimasken, die aber durchaus freundliche Züge tragen.

Ob nun die leichte Desorientierung der geringen Sicht durch die kleinen Augenschlitzen zu zollen ist oder eins, zwei, drei Gläschen Schnaps zu viel, das lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Unverhohlen folge ich den fünf Gestalten über den Dorfplatz und amüsiere mich über die piepsigen Stimmen mit denen sie sich sogar untereinander unterhalten. Dann ertönt, ganz eindeutig, eine Männerstimme, die durch die Plastikmaske der Gruppe eine neue Koordinate erteilt: „Manda, mia gian ins Kasermandl“ (Männer, wir gehen jetzt zum „Kasermandl“)! Dafür erntet die soeben als männliches Wesen entlarvte Person einen beherzten Stoß in die Rippen. Dieser war ein klares Signal, ein Zivilist hört mit und wie mit Lachgas infiltriert schraubt sich die Stimme in ein helles Piepsen.

Die schnelle Reaktion lässt vermuten, dass das Torkeln doch durch die zu kleinen Augenschlitze der Gummimasken verursacht wird. Die Gruppe hat es nun eilig und läuft die tief verschneite Gasse zum Kasermandl (Lokal und Bar in Vorderlanersbach) hinauf. Schwungvoll geht die Türe auf, bevor die ankommende Gruppe auch nur den Knauf in die Hand genommen hat. 

Heraus fliegen drei, ich würde sagen, noch kurioser anmutende Gestalten, eindeutig im „Luis Trenker Look“ der dreißiger Jahre. Braunes, gewalktes Wollgewand, die Kniebundhose endet in handfesten Stricksocken aus – mich fängt es bereits zu jucken an – Schurwolle! In der Hand prachtvolle Holzski mit Telemarkbindung und die Füße zieren uralte Lederschuhe mit Nägeln in den Sohlen. Auf den Köpfen ganz im Original, die Gletscherbrille von damals über dem Lodenhut. Wo bin ich hier gelandet? Es ist laut der Digitalanzeige meiner Uhr der fünfte Jänner! Also fünf Tage nach Silvester und einen Tag vor dem Heiligen-Drei-Königstag, aber wo kommt da dieser außerordentliche Fasching her, der hier im Tuxertal gerade mit Inbrunst gefeiert wird?

Genau genommen hat dieses Brauchtum rein gar nichts mit Fasching zu tun, außer eben, dass sich sehr kreativ verkleidet wird. Scheinbar gibt es diesen Brauch, in selbiger Form, auch nur im Tuxer- und Zillertal. 

Was heute Leichtigkeit und Partystimmung mit sich bringt, war vor einigen Jahrhunderten ein Brauch, der sich aus der bitteren Armut heraus gebildet hatte. Alle diejenigen, die an Hunger litten und nicht von Höfen stammten, nutzen den fünften Tag im neuen Jahr, um bis zur Unkenntlichkeit verkleidet, von Hof zu Hof zu laufen und um Nahrung zu betteln.

Gleichzeitig konnte das Betteln bestens unter dem Vorwand ein gesundes neues Jahr wünschen zu wollen, vertuscht werden. Und so bildete sich der Glaube rund um den Pechtntag, dass die Anzahl der Pechtn, die einen Hof aufsuchten, gleichzeitig mit der Menge an Glück, welches selbigem über das Jahr zuteil wurde, in Verbindung stand. Je mehr Pechtn, je größer das Glück! Und somit waren die Pechtn eine gern gesehene Erscheinung an jedem fünften Jänner des Jahres.

Das schöne am Brauchtum in Tirol ist, es passt sich dynamisch dem Wandel der Zeit an. So verschwanden nicht etwa die Pechtn, als das Tal nach dem Ersten Weltkrieg seine erste wirtschaftliche Blüte erlebte, sondern man passte den Grund an, der das Herumziehen von Hof zu Hof bestimmte. Mittlerweile ist der alte Vorwand zum neuen Ziel geworden, man wünscht sich auf außergewöhnliche Art ein gesundes neues Jahr. Das alles wird, zumindest bei den Erwachsenen, mit reichlich Schnaps begossen. Darum haben diese Gestalten auch den lieblichen Namen „Schnaps-Pechtn“ erhalten!

Unter Tags sind es die Kinder im Tuxertal, welche gleichfalls vermummt und maskiert von Haus zu Haus in den Weilern ziehen. Sie sind als „Krapfn-Pechtn“ bekannt und bekommen genau dieses, nämlich süße Krapfen kredenzt, wenn sie an der Türe erscheinen. Ein Spiel welches die Pechtn selbst untereinander betreiben ist es, Stimme und Aussehen so kunstvoll zu verstellen, das selbst die miteinander von Tür zu Tür ziehenden Pechtn zumeist nicht wissen, wer ihr nebenan eigentlich ist.

Während in den Gasthäusern und Bars die Wirte ganze Tische pauschal für die Pechtn reservieren, was in der Hochsaison des Winters so manches Erstaunen bei den Touristen hervorbringt, geht es weitaus heimeliger zu in den Bauernstuben und Privathäusern. Dort werden schon am frühen Abend Groiggn ausgebacken (Grammeln) und Flaschenweise Schnaps und Likör bereit gestellt. 

Sobald die Dämmerung herein bricht ziehen die verkleideten Pechtn los. Wahllos rotten sie sich zusammen, Gruppen bilden und transformieren sich im Laufe des Abends. Die Gangart ist rau und lustig, so kann schon mal ein beherzter Griff an die Brust einer vermeintlichen Frau dabei sein. Am Pechtntag ist das erlaubt, aber nur wenn SIE eigentlich ein ER ist und der vorzeige Busen aus nachhaltigem Plastik besteht!

So zieht sich das bunte Treiben hin bis Mitternacht! Dann fangen langsam an die Lichter im Tal, gleichwohl der Lichter der Pechtn zu erlöschen, Zeit für das große Outing. Ein kleiner Insider Tipp: wer es bis dahin geschafft hat nüchtern genug zu bleiben, um einen angemessenen Standortwechsel zu vollziehen, der sollte unbedingt die Bergfriedalm in Lanersbach aufsuchen, wo um Punkt Mitternacht die Masken fallen und so manche Geschehnisse des Abends in neues Licht tauchen!

An dieser Stelle sei allen Gästen und Bewohnern des Tuxertals ein recht frohes, gesundes und lichterfülltes neues Jahr gewünscht!

Anreise mit dem/der

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A-6293 Tux, Lanersbach 401

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Die Flughäfen Innsbruck, Salzburg und München liegen zwischen 90 und 230 km von Tux-Finkenberg entfernt.

 

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